Vorschau

31.12.2017
Silvesterparty in Wien

18.-21.01.2018
54.ÖSTM SKI ALPIN in Brenner am Steinach

03.02.2018
13.ÖM Snowboard in Lachtal

10.03.2018
ÖSTM Tischtennis in Lissfeld

17.-18.03.2018
ÖSTM/ÖM Volleyball in Villach

07.-08.04.2018
ÖSTM Orientierungslauf in Eisenstadt

14.-15.04.2018
ÖSTM Bowling in Klagenfurt

21.04. oder 28.04.2018
ÖSTM/ÖM Mountainbike

12.-13.05.2018
ÖM Kegeln MS und CUP in BGLD

23.06.2018
ÖSTM Beachvolleyball in Wien
13.ÖM Stocksport in Wien

24.06.2018
ÖM Badminton MS in Wien

07.07.2018
ÖM Berglauf in Salzburg

08.09.2018
ÖSTM Leichtathletik

08.-09.09.2018
ÖM Kegeln Einzel u. Sprint Ort ??

23.09.2018
Tag des Sports in Wien

06.-07.10.2018
ÖSTM Bowling Trio, Master in Wr.Neustadt

24.11.2018
Sportlergala

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Rudolf Glaser †

Wiener Gehörlosen Sportclub 1901 & Kulturverein

Gründer und Obmann Rudolf GLASER †

GLASER

 

Obmann 1901 bis 1916

In tiefer Trauer geben wir bekannt,
dass unser Gründer und Obmann Rudolf Glaser, geboren am 20. Jänner 1868,
der am 16. November 1948 im 81. Lebensjahr von uns gegangen ist.
Die feierliche Verabschiedung fand am 27. November 1948
auf dem Wiener Zentralfriedhof statt.

V e r e i n s – L e b e n s c h r o n i k

WGSC 1901-Obmann Franz Hofer † (1939 bis 1940 und 1947 bis 1949) berichtete
im Jahr 1948 in der Österreichischen Gehörlosen-Zeitung

Rudolf Glasers 80. Geburtstag

Am 20. Jänner 1948 wird Herr Rudolf Glaser seinen 80. Geburtstag begehen.
Wer ist Rudolf Glaser? In Wien kennt ihn jeder gehörlose Sportler, fast auch alle Schicksalsgenossen der ältesten Jahrgänge kennen ihn. In den Bundesländern ist sein Name nicht so bekannt.
Rudolf Glaser ist der Gründer der Österreichischen Sportbewegung unter den Gehörlosen. Schon im Jahre 1894 wurde der Wiener Taubstummen-Turnerklub gegründet, von den Gründern leben heute nur noch Glaser und Pavlek. Der erste Turnsaal der erwachsenen Taubstummen befand sich in der Sonnenuhrgasse. Da die Turngeräte aber nur für Schulkinder geeignet waren, kauften sich die Mitglieder Turngeräte um 300,– Gulden. Diese Turngeräte befinden sich noch heute im Besitzen des Wiener Gehörlosen-Sportvereines. Aus den jüngeren Mitgliedern des Taubstummen-Turnklubs wurde im Jahre 1899 versuchsweise eine komplette Fußballmannschaft zusammengestellt, die ersten Fußballspiele fanden auf der Schmelz statt, dem damaligen Truppenparadeplatz. Aus dem Turnerklub entstand 1901 der Erste Wiener Taubstummen-Fußball- und Turnverein, von den Gründern leben nur noch fünf Kameraden: Glaser, Donat, Barbunk und Razek. Der Sportplatz des neuen Vereines befand sich weit draußen von Wien im Überschwemmungsgebiet der Donau in Kaisermühlen, dort steht heute noch das Gasthaus Hummel, das den Umkleideraum enthielt und Stammlokal der Fußballer war. Sonntag für Sonntag pilgerten die Anhänger der Sportler hinaus nach Kaisermühlen, um den Wettkämpfen beizuwohnen und nachher beim Hummel feuchtfröhliche Stunden zu erleben. Sonntag für Sonntag, Sommer und Winter war der Saal bumsvoll. Diese Gründung Glasers brachte dem Sportklub zahlreiche Anhänger, aber er war damals auch starken Anfeindungen ausgesetzt. Die alten Vereine, die im Sporte eine Gefahr für die Jugend erblickten, schrien Zeter und Mordio. Sogar Eingaben an die Polizei und Behörden wurden gemacht, um dem aufwärtsstrebenden neuen Sportverein das Lebenslicht aufzublasen. Es hat aber nicht genützt. Der Gedanke für den Sport, für die Leibesübungen, den Glaser jeden Freitag abends im Stammkaffeehaus “Haberstroh“ am Alsergrund den Jungen einpflanzte, erweckte in den jungen gehörlosen Menschen Begeisterung und völlige Hingabe für die Arbeiten des Sportes. Mit verbissenem Trotz und Ausdauer schuf Glaser die Grundlagen eines leistungsfähigen Vereines. In Gustav Hofer, dem damaligen Redakteur des „Taubstummen-Kurier“ fand er seinen schreibgewandten besten Mitarbeiter. Mit ihm zusammen schuf er sich einen guten Mitarbeiterstab.—Das größte Verdienst Rudolf Glasers aber besteht darin, dass die Gehörlosen durch die sportlichen Wettkämpfe in der breiten Öffentlichkeit erst recht bekannt geworden sind, denn durch das Lesen der Sportberichte in der Tageszeitungen sind die hunderttausende Wiener auf die Existenz der Gehörlosen-Gemeinschaft aufmerksam gemacht worden. Die Anerkennung der sportlichen Leistungen brachte in der Folge den Gemeinschaften Beachtung und Erfolge; denn die
Sportler waren und sind die Pioniere einer gehörlosen kulturellen Bewegung, die jetzt alle Gehörlosen-Schichten in ganz Österreich erfasst hat. Darum verdient die Tat Glasers – durch die Gründung des ersten Wiener Taubstummen-Fußball- und Turnvereines als ein Markstein in der Geschichte der Taubstummenbewegung als kulturfördernder Faktor, bemerkt zu werden. Diesem schlichten und aufrechten Manne gebührt der Dank aller Gehörlosen Österreichs. An seinem 80. Geburtstage kann Rudolf Glaser mit Freuden feststellen, dass aus dem kleinen Pflänzchen, dass er vor 40 Jahren in die Herzen junger Menschen pflanzte, heute ein starker Baum geworden ist, der manche starker Stürme überstanden hat und noch weiter gedeihen wird, zum Nutzen der gesamten Schicksalsgemeinschaft von Österreich.

ÖGSV-Präsident Heinrich Prochazka † ( 1931 bis 1957 ) berichtete
im Jahr 1949 in der Österreichischen Gehörlosen-Zeitung

Rudolf Glaser †

Rudolf Glaser, der Begründer der österreichischen Gehörlosen-Sportbewegung, ist am Donnerstag, den 16. November 1948, plötzlich gestorben. Am Samstag, den 13. November war der 81 jährige Sportvater noch im Heim bei seinen jungen Sportkameraden. Er zeigte wie immer regstes Interesse an allem, was mit Sport zusammenhängt. Auch bei der letzten großen Aktionskomitee-Sitzung am 30. Oktober 1948 war Rudolf Glaser anwesend und drückte seine Freude aus, dass sein Wirken vor 50 Jahren für den Gehörlosen-Sport jetzt so schöne Erfolge bringe. Niemand sah dem noch so lebhaften Greise an, dass es mit ihm bald zu Ende geben würde. Nun ist Rudolf Glaser nicht mehr. An seiner Bahre trauern nicht nur seine zwei Söhne und Schwiegertöchtern, sondern auch alle Wiener Sportler, die ihn gekannt haben. Zu jedem war er freundlich, für jeden von Ihnen hatte er immer ein gutes Wort gehabt. Trotz seines hohen Alters ließ er sich niemals abhalten, zu den Sportfesten zu geben und die Vereinsabende zu besuchen. Selbst im nasskalten Winter kam Rudolf Glaser oft ins Heim zu Vorträgen, denen er stets mit Interesse folgte. Was er geschaffen und wofür er mit seltener Hingabe jahrzehntelang gearbeitet hat, das bleibt. Aus dem Wiener Gehörlosen-Sportklub ist die geformte Sportbewegung der Gehörlosen-Jugend Österreichs hervorgegangen, die sich immer weiter ausbreiten wird. Gerade jetzt, wo der Gehörlosen-Sport in Österreich durch die 1. Internationalen Gehörlosen-Winterspiele Seefeld einem Höhepunkt zustrebt, musste Rudolf Glaser von der Erde scheidest. Er durfte das große Ereignis nicht mehr erleben. Wir alle, nicht nur die alten Sportveteranen und die Sportjugend, auch die anderen Taubstummen Österreichs, sind ihn zu Dank verpflichtet; denn durch den Sport weiß es die breite Öffentlichkeit, dass die Gehörlosen in einer Gemeinschaft zusammenschlossen sind und dort ihr eigenes kulturelles Leben haben. Dessen wollen wir stets eingedenk sein. Sein Leib wird wieder zur Erde, sein Geist und sein Name aber leben in uns und in der Geschichte des Sportes der Gehörlosen von Österreich weiter.

Karl Altenaschinger † – Präsident des Verband
der Gehörlosen und Taubstummen in Österreich ( 1949 bis 1956 ),
heute neue Titelname – Österreichischer Gehörlosenbund
berichtete im Jahr 1949 in der Österreichischen Gehörlosen-Zeitung

In memoriam Rudolf Glaser

1899 war es, da tummelte sich in der Phorusgasse im 4. Gemeindebezirk eine Schar Knaben bei dem gerade aufkommenden Fußballspiel herum. Schreiber dieses war mit hörenden Schulfreunden auch unter ihnen. Manchmal taten Karl Lauterböck, Ernst Hitschmann und Rudolf Rein mit. Unter Zuseher sah man sehr oft einen jüngeren Mann, der stets im grauen Turnanzug mit Turnerhut angeregt dem Spiel zusah. Eines Tages trat er nach dem Spiel auf mich zu und frug mich in der Gebärdensprache, ob ich nicht am Sonntag nachmittags auf dem ehemaligen Franz-Joseph-Exerzierplatz – dort wo jetzt das Biberstraßenviertel steht – mit anderen Gehörlosen dem Fußballspiel huldigen wolle? Natürlich sage ich ja – und so kam ich unter die damals unter seinen Fittichen stehenden Fußballjünger. Es waren dies Stephan Racek, Josef Hausen, Karl Kases, Karl Donath, Franz Tonar, Hugo Kiebitz, Josef Bartunek, Emil Münz, Paul Pauser, Heinrich Weigl – ein Namensvetter des bekannten Wiener Sportlers. Manchen von diesen deckt schon der grüne Rasen.

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Rudolf Glaser war damals noch Mitglied des 1. Wiener Taubstummen-Turnerklubs, der im ehemaligen k.k. Taubstummen-Institut turnte und dem auch u.a. Karl Pavlek angehörte. Glaser erkannte den Wert des aufstrebenden Fußballs und schlug dem Turnerklub vor, auch diesen Sportzweig zu pflegen. Leider fand er kein Gehör und so schied er aus. Hart war der Kampf. Oft wurde Glaser verspottet und von den älteren Taubstummen der damaligen Zeit bekämpft.

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Vom Exerzierplatz wurde das Fußballspiel verpönt – durch die hohe Obrigkeit! Alle ging es auf die Jesuitenwiese im Prater! Dort wurden am Helmi weg in der Löwengasse aber auf der Weißgerberlände des Abends oft harte Schlachten mit uns hänselnden Rowdies ausgetragen. Nachher ging das Fußballspielen im Inundatkionsgebiet an. Von einer Firma erhielten wir eine Wiese in Pacht und damit begann der eigentliche Aufschwung des Fußballs unter den Gehörlosen. 1901 kam es dann endlich zur Gründung des Taubstummen-Fußball- und Turnvereines. Damit wurde der Grundstein für den heutigen Wiener Gehörlosen-Sportklub gelegt. Rudolf Glaser war hier die Seele des Ganzen. Damals konnte von den Zusehern kein Eintrittsgeld eingehoben werden! So erhielt sich der Verein lediglich aus den Mitgliedsbeiträgen und dem Reingewinn von Veranstaltungen. Subventionen und oder Unterstützungen von behördlichen Stellen waren ausgeschlossen! Wie oft half da Rudolf Glaser mit eigenem Geld aus und rettete so den Verein. Ausrüstungen, wie
Fußballschuhe wurden von den Mitgliedern selbst gekauft. Wie ist es dagegen heute? Die Opfer, die Rudolf Glaser und seine Männer damals brachten – aus echtem Idealismus-, werden unvergesslich bleiben!

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1906! Das erste auswärtige Spiel! Es ging nach Ödenburg! Groß war die Begeisterung. Alle wollten mitfahren. Doch nur die Spieler und einige Schlachtenbummler mit gefüllter Brieftasche waren dazu imstande. Wenn Wir auch verloren, es machte uns nichts aus! Wir hatten bewiesen, dass die Gehörlosen auch Fußballspielen können. – 1907! Im März ging es nach Pilsen! Dort trafen sich auch Prager und Pilsener – Schicksalsgenossen – und – Wir Wiener vor hörenden sogar eine Pantomime aufführen, die allgemein Beifall fand. Auch hier große Begeisterung und Stolz, dass wir unsere Sportwürdigkeit bewiesen hatten. – Und bei allem war Rudolf Glaser mit Leib und Seele dabei. – Das Jahr 1907 war im Fußball bestimmt das bedeutendste. Wir spielten damals in der zweiten Klasse und machten keine schlechte Figur, obwohl wir nur an Sonntagen spielen konnten, da die Turnabende in der Servitengasse der körperlichen Erstarkung galten und Fußball dort verpönt war.

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Nun deckt sich der grüne Rasen unseren Fußballpionier. Zahllos sind die Opfer, die Rudolf Glaser für seinen so geliebten Sport brachte. Sein Andenken wird fortleben in den Herzen jener, die ihn kannten, die dabei waren, den Sport unter den Wiener Gehörlosen aufzubauen. Die Jungen aber haben die heilige Verpflichtung, sein Erbe hochzuhalten und es ihm gleichzutun. Rudolf Glasers Leben war einfach frei von Nikotin und Alkohol! Er lebt wie Spartaner und versagte sich manchen Genuss, nur um seine Schicksalsgenossen sportlich zu fördern. So uneigennützig wie er war noch keiner und wird auch so leicht keiner sein! – Mögen die Jungensich an ihm ein Beispiel nehmen. –
Im Jahre 1951 werden fünfzig Jahre, dass der Wiener Gehörlosen-Fußball besteht und dieses Jubeljahr soll und muss so gefeiert werden, dass Rudolf Glasers Andenken dadurch geehrt wird, nämlich in einer großangelegten Sportveranstaltung, die dem Wiener Sportspieler frühere Geltung verschaffen soll !

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Wir danken an dieser Stelle Herrn Rudolf Glaser für seine unermüdliche Opferbereitschaft, seinem persönlichen Einsatz sowohl als Sportler als auch Funktionär und werden ihn stets in ehrender und dankbarer Erinnerung behalten.

Wir danken dir für deine jahrelange Treue!
Rudolf, wir werden dich nie vergessen.

Bericht: Karl Boskovitz
im Oktober 2013